Nach einiger Zeit hier in Schweden hat man sich an das Toastbrot gewöhnt. Vollkornbrot wie zuhause ist mir noch nicht in den Läden aufgefallen. Somit hat sich das meditative morgendliche Warten vor dem Toaster zur Routine entwickelt. Der Vorteil von abwesenden Lebensgewohnheiten ist die Freude auf das Wiedererhalten daheim. Einziger Ausweg ist der Wechsel zum Müsli.
Auch an diesem Vormittag hatten wir eine Premium Selection an Workshops bereitgestellt.
Es war nicht ganz einfach sich zwischen dem Besticken von Taschen, backen von Kanelbullar oder Brezen und dem Fußballspielen am Strand zu entscheiden. Durch das häufige Training wurden die Rettungsaktionen des Balles aus dem See Skagern zu einer Seltenheit. Dieser ist seit den letzten zwei Tagen durch den starken schwedischen Wind mit 70 cm hohen Wellen alles andere als ruhig. Einige enthusiastische Backfanatiker zauberten uns in Eigenregie grandiose Kanelbullar. Dieses schwedische Nationalgericht ist Hefeteig in Schneckenform, gefüllt mit Zimtzucker. Der Kreativität ist es zu verdanken, dass es auch andere Variationen wie Marmeladenfüllung gab. Für die gewissenhafte Zubereitung benötigt der Hefeteig ausgiebige Ruhephasen. Das schmeckte man dann auch. Der Teig wurde am Morgen geknetet und am Abend gebacken.
Als Gegenpart zum landestypischen Gebäck machten andere ein bayrisches Laugengebäck. Klassische Brezen und Knoten wurden mit einfallsreichen Brezenmäusen oder Schildkröten gebacken. Besondere Vorsicht war bei dem Umgang mit der Lauge geboten, hierbei waren Handschuhe und Brille unverzichtbar.
Handarbeitsbegeisterte stickten auf Turnbeuteln oder Taschen eigens gestaltete Grafiken oder Schriftzüge. Eine Fiselarbeit war das Einfädeln des Fadens in das Nadelöhr. Ich lies mir das mit den verschiedenen Nadeln mal so erklären: Sticknadel ist gleich großes Nadelöhr, Nähnadel kleines Nadelöhr. Hieraus ergab sich eine Korrelation von Problemen. Entweder man bekam den Faden leichter eingezogen, musste aber beim Sticken etwas mehr Kraft aufwenden. Oder man nahm die gegenteiligen Pro und Contras in kauf.
Mittags konnten dann die frischen Brezenkreationen vom Vormittag gemeinsam mit den übrigen Wraps sowie den Resten des Chillis genossen werden.
Die Planung für den Nachmittag hat mit den ersten Vorbereitungen für unseren bunten Abend als Abschluss und anschließender Freizeit ein eher entspanntes Programm vorgesehen. Beim bunten Abend gibt es verschiedene Kleingruppen, die jeweils einen eigenen Beitrag ausarbeiten. Darunter gibt es zum Beispiel eine Nachrichtensendung über die Freizeit, einen Freizeitensong oder einen Videozusammenschnitt von verschiedenen Bildern und Videos, die in den zwei Wochen entstanden sind. Die freie Zeit nach den Planungen konnte dann wieder individuell genutzt werden, wobei auch hier wieder unsere fleißigen Bäcker am Werk waren und die Kanelbullar fertig vorbereitet und anschließend gebacken haben. Diese kleinen Köstlichkeiten konnten dann als Nachtisch nach dem Abendessen verköstigt werden.
Frisch gestärkt ging es in den finstern Wald. Wie in der Bibel beschrieben suchten unsere Teilis aber nicht nur ein Schaf sondern 21 Schaftarten. Gut zu erkennen an einem Blinkenden Luftballon über dem Versteck durchkämmten die Jugendlichen akribisch unser Außengelände. Wie passend sich hier doch der Stromzaun in die Story einfügt. Eigentlich soll er uns vor den Wildschweinen schützen. In unserem Fall beschützte er zum Einen die Waldbewohner und fungierte gleichzeitig als gute Eingrenzung für unsere entflohenen Schafe. Namensgebend für das tierische Geländespiel ist das Unschaf. Weitere Leader der Herde sind das Wolliball Schaf, Baumwoll Schaf oder auch das Schafendes Schlaf. Nach dem Erfolgreichen schnappen aller Schafe machten sich die Schaffänger durch Blöcken bemerkbar.
Bei Top oder Flop werden es immer mehr begeisterte Gewinner. Es haben neben Handwärmern, Brillen gegen das ständige Suchen im Chaos, Notizblöcken zur Unterstützung der grauen Zellen oder pflegeleichte, dauergrüne Blumen ihre glücklichen Besitzer gefunden. Das sind nur einige der Gegenstände, die das Freizeitleben ungemein erleichtern.
In der Andacht wurden bildlich mit rotem, grünem und blauem Licht die vielen Facetten einer Gemeinschaft dargestellt. Nur wenn alle leuchten und glücklich sind, wird die Welt für alle in einem hellen weißen Licht strahlen.
Mit sonnigen Grüßen aus Schweden
Marco & Marlene













